Presse-Stimmen/TV

 

Frankfurter Rundschau, 13.02.2022

SEEHEIM-JUGENHEIM

Malte Leyhausen: Familie ist nichts für Feiglinge

Der Familientherapeut, Erziehungswissenschaftler und Autor Malte Leyhausen aus dem südhessischen Seeheim-Jugenheim widmet sich in seinem neuen Buch der Frage, wie sich Familien neu erfinden können.

Das Schöne an Familie: Man ist nie allein. Das Schlimme: Man ist nie allein. Das bekommen zahlreiche Mamas, Papas und Kinder seit Beginn der Corona-Pandemie zu spüren, sei es im Lockdown, im Homeoffice oder in Isolation. Das waren noch Zeiten, als Eltern sich ins Büro verabschieden konnten, um dort mal ungestört zu arbeiten oder Abstand zu bekommen zu Wäschebergen, Kinder-Bespaßung oder Ersatzlehrtätigkeiten. Doch vorbei sind diese unbeschwerten Tage, denn entweder sind Familien in Quarantäne, oder sie müssen jeden Moment damit rechnen. Das zerrt bei so manchem an den Nerven und sorgt – vorsichtig ausgedrückt – für Spannungen.

Da kommt ein neuer Ratgeber gerade recht, der in einer Woche, am 21. Februar, erscheint: „Familie ist nichts für Feiglinge“ von Malte Leyhausen. Der systemische Familientherapeut und Autor aus Seeheim-Jugenheim erklärt darin, dass nicht jeder Konflikt gleich negativ ist, und dass man lernen muss loszulassen: „Man darf nicht erwarten, dass Dinge immer normal sind, sondern sollte die Realität willkommen heißen und sich fragen: Was funktioniert gut in meiner Familie, was kann ich also verstärken, und wovon kann ich Abschied nehmen?“

 

Neues Buch von Malte Leyhausen: Familie ist nichts für Feiglinge

 

Ein „Lebewohl“ ist angebracht bei Dingen, die sich kaum erfüllen werden. Aus dem Legastheniker einen Lektor zu machen oder der Hauskatze einen Tiger, ist eher unrealistisch. Doch man kann herausfinden, was gut gelingt und dies dann fördern. Zusätzlich bedarf es noch einer guten Portion Selbstliebe und der Abkehr von Konventionen: „Wenn es mir gut geht, geht es auch den anderen gut. Und wenn ich nicht gern aufräume, dann sollte es mir egal sein, was der Besuch denkt, wenn er in die unordentliche Wohnung kommt.“

Es ist auch einerlei, wie der Rest der Welt urteilt, wenn der Nachwuchs kein Abitur hat. Sich zu sorgen, ist in Ordnung, doch ist es eine Illusion zu glauben, dass alles gut wird, wenn man nur in der Erziehung alles richtig macht. „Das ist nicht wie bei einer Kaffeemaschine, bei der ich auf Espresso drücke, und es kommt Espresso raus. Menschen sind eben nicht wie Maschinen, sondern eher wie Mobiles. Wohin sie sich bewegen, ist nicht absehbar.“

Malte Leyhausen schreibt darüber, wie sich Familien neu erfinden können

Manchmal kommt es gar so vor, als bewege sich überhaupt nichts, denkt man nur mal an einzelne Socken auf Fußböden oder eingetrocknete Müslischalen in Jugendzimmern. Die systemische Therapie setzt dann allerdings am Umfeld an und nicht am vermeintlichen Problemverursacher, so Leyhausen: „Ich versuche immer, Möglichkeiten aufzuzeigen, was jeder bei sich selbst tun kann, um eine Situation zu verbessern, anstatt immer darauf zu hoffen, dass der Rest der Familie das tut.“

Auf Problemen herumzureiten sei nie zielführend, meint der Therapeut, nicht in Pandemiezeiten und auch sonst nicht. Idealerweise lässt man seinen Lieben stets Entscheidungsfreiheiten, damit sie eine Wahl haben und dabei ihr Gesicht nicht verlieren müssen.

Die wohl wichtigste Botschaft aus Malte Leyhausens neuem Buch ist jedoch: „Keine Dornen ohne Rosen.“ Alles hat eine gute und eine nicht so gute Seite. Und Familie darf manchmal auch etwas stachelig sein. (May-Britt Winkler)

edigo_buch_leyhausen_3D_frei.jpg
Copyright Anke Kerstin Huber

Rezension von Anke Kerstin Huber, freie Journalistin,

Buchautorin (Single Mom go happy)

Gelassenheit statt Familienfrust

In einem charmanten und humorvoll-lockeren Stil rechnet der Autor mit den oftmals übertriebenen Vorstellungen von Optimierungen innerhalb von Partnerschaft und Familie ab und spricht ehrlich über den realen Frust, den das Familienleben mit sich bringen kann. Mir hat die Beschreibung der vier unterschiedlichen Bindungsstile, die dazu führen, welchen Partner wir uns suchen und wie wir uns in einer Beziehung verhalten, besonders wertvolle Erkenntnisse gegeben. Ich empfand es sehr hilfreich zu erkennen, welche Mechanismen in mir wirken und warum. Zudem bietet dieses Buch hilfreiche, wertvolle und alltagstaugliche Tipps und Anregungen für eine wertschätzende Kommunikation innerhalb der Partnerschaft und mit den Kindern. Es lädt dazu ein und zeigt Wege auf, wie man als Paar die eigene Partnerschaft neu erschaffen und damit auf ein neues Level heben kann. Und wie man es schaffen kann auch den Familienalltag mit all den typischen Problemen neu, besser und vor allem gelassener zu gestalten. Es macht Mut, zu erkennen, dass man mit den alltäglichen Herausforderungen innerhalb Familie und Partnerschaft nicht allein ist und dass es im Grunde gar nicht schwer ist, nachhaltig etwas zu ändern, wenn man weiß wie.

Fazit:
Dieses Buch gibt viele wertvolle Tipps für eine bewusste Lebensgestaltung innerhalb der Familie. Mit einfachen aber effektiven Anregungen schafft es dieses Buch den eigenen Blickwinkel zu hinterfragen und effektiv sowie nachhaltig so zu ändern, damit der Alltag im Familienleben wieder von Verständnis für einander, Gelassenheit und Freude geprägt ist. Und obwohl das Thema im ersten Moment einen ernsten Eindruck macht, empfand ich dieses Buch humorvoll und absolut Leser-freundlich geschrieben. Schmunzeln inklusive. Ich habe mich auf vielen Seiten wiedererkannt und wertvolle Erkenntnisse mitgenommen. Es ist extrem erleichternd zu erkennen, dass die meisten von uns im Grunde ähnliche Probleme haben und dass sowohl Partnerschaft als auch Elternschaft Prozesse sind, die man mit einer guten Portion Gelassenheit und der Hilfe zur Selbsthilfe gut meistern kann, damit Familie wieder Freude macht. Ein wertvolles Nachschlagewerk, wann immer es mal wieder zu Frust kommt. Sehr zu empfehlen.

 
 
edigo_buch_leyhausen_3D_frei.jpg

Rezension von Christina Hellwagner

Familiencoach, Kindergesundheitspädagogin

Wie fand ich das Buch?
Ich finde, das Buch trifft den Nagel auf den Kopf! Der Autor Malte Leyhausen hat in diesem Buch niedergeschrieben, was auch mich schon lange beruflich wie privat beschäftigt. Es ist gottseidank kein weiterer Ratgeber in diesem Sinne, sondern eher eine Motivation zur Selbstreflexion, gepaart mit Aufklärung, locker bis lustig und dennoch einfach geschrieben. Es ist für jede Frau / jeden Mann gut lesbar :). Besonderheit für mich in diesem Buch ist die Seelische Hausapotheke für Familien, gute Ideen zusammengefasst :). Auch das Würfelspiel macht viel Spaß für die ganze Familie (unbedingt auch mit den Großeltern spielen). Die Veranschaulichung "Abhängen im Mobile" - Die Familie als System verstehen - fand ich sehr gut dargestellt und hat mich persönlich fasziniert.
🤍Das Buch lädt zum Nachdenken ein. 🤍

Bild_2021-12-20_130415.png

Stuttgarter Zeitung 18.12.2021

Darmstädter Echo 14.09.2021